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World Cup Latvia und Selektion Weltcup Grindelwald

Anina startete anfangs September am Weltcup in Lettland und berichtet über ihre gemachten Erfahrungen. Bussola ok gratuliert ausserdem zur Selektion für den Weltcupfinal in Grindwald Ende September. 

 

Das Schweizer Team reiste bereits drei Tage vor dem ersten Wettkampf nach Cesis, Lettland, aber viel Zeit für Trainings blieb nicht mehr. Ein Sprinttraining sowie ein Model Event im Wald mussten reichen, um für die kommenden vier Wettkämpfe ausreichend vorbereitet zu sein.

Gestartet wurde am Samstag mit dem Middle. Das Gelände erinnerte mich einerseits an Skandinavien mit seinen vielen Heidelbeersträuchern, andererseits an einen Mittellandwald im Sommer, weil es unglaublich grün war. Das wichtigste Hilfsmittel war zweifelsfrei der Kompass, da es einen sehr schnell verdrehen konnte. Leider gelang mir der Start nicht nach Wunsch. Bereits zum 1. Posten kam ich von der Richtung ab und lief prompt auf den falschen Hügel. Die weiteren Posten lief ich zwar sauberer an, doch ich hatte während meines Laufes immer wieder Unsicherheiten im Postenraum, welche eine gute Platzierung verhinderten. Am Schluss musste ich mich mit dem 66. Rang begnügen – eine herbe Enttäuschung! Dass ich früh starten musste und über die gesamte Distanz alleine unterwegs war, war sicher ein Nachteil (später fand man im Wald breite Spuren vor), aber ich musste mir auch eingestehen, dass ich technisch nicht den besten Tag erwischt hatte.

   

Viel Zeit für eine Fehleranalyse blieb allerdings nicht, denn am nächsten Tag folgte bereits die Staffel. Trotz sehr guter Resultate in den Testläufen wurde ich nicht für eines der beiden Staffelteams selektioniert, was aber nicht weiter tragisch war, denn ich durfte in einem Mixed-Team die Startstrecke (meine Lieblingsstrecke) laufen. Ich betrachtete das Staffelrennen als ein gutes Training und nahm mir vor, den 1. Posten diesmal sauber anzulaufen. Diese Taktik erwies sich als vorentscheidend, denn viele Läuferinnen bekundeten nach dem Start Mühe. Ich hatte einen genauen Plan, wie ich den ersten Posten anlaufen wollte und stempelte meinen Gabelungsposten als Erste. Schon bald merkte ich, dass ich mich in der führenden Gruppe positioniert hatte. Das Tempo war nicht allzu hoch und ich wusste, dass ich läuferisch gut mithalten konnte. Den Überlauf passierte ich hinter einer Schwedin und einer Britin, jedoch vor den beiden Schweizerinnen. Es galt, weiterhin einen kühlen Kopf zu bewahren, um in der Schlussphase nicht doch noch zu patzen. Die letzten beiden Posten verlangten uns Läuferinnen dann physisch einiges ab, da wir eine Skipiste (oder wie der Speaker sagte: “steepy slope“) hinaufrennen mussten. Mit dem Resultat und meiner technischen Leistung war ich mehr als zufrieden. Ich sorgte mit meinem frühen Zieleinlauf sowohl bei den beiden Moderatoren als auch bei den Athletinnen der 2. Strecke für Verwirrung, da sie davon ausgingen, es handle sich bei der Läuferin im roten Dress um das Team von Schweiz 1. Die Schlussläuferin unseres ersten Teams schaffte es schliesslich, mit einem Vorsprung von nur gerade einer Sekunde vor der Schwedin Tove Alexandersson auf den 1. Platz zu laufen.

   

Der letzte Wettkampftag begann schon früh. Bereits um 06.00 Uhr sass ich beim Frühstück. Drei Stunden später wurde zur Sprint-Quali gestartet. Wie erwartet ein technisch einfaches und schnelles Rennen. In Wohnsiedlungen südlich von Cesis durften beinahe keine Fehler passieren, damit man sich für den späteren A-Final qualifizieren konnte. Mir gelang ein guter Wettkampf, obwohl ich bei zwei Posten je ca. 10 Sekunden vergab. Ich musste deshalb im Ziel noch etwas zittern. Mit dem 13. Rang (die besten 15 pro Heat waren qualifiziert) hatte ich mein Ziel, den A-Final, erreicht.

Am Mittag war nochmals “Beine hochlagern“ angesagt, bevor es dann am späteren Nachmittag ernst galt. Die Finalbahn führte durch die Altstadt von Cesis, vorbei an einem wunderschönen, aber mit vielen Höhenmetern gespickten Park sowie einer Burgruine. Es erwartete uns ein technisch abwechslungsreicher und physisch anspruchsvoller Wettkampf. Ich erwischte einen guten Start und war bei der ersten Zwischenzeit noch voll im Rennen. Dann aber kurz nach dem Zuschauerposten traf ich einen falschen Routenwahlentscheid, der mich wertvolle 10 Sekunden kostete. Kurze Zeit später war ich für einen Moment nicht ganz bei der Sache und las zum falschen Posten. So passierte es, dass ich olives Gebiet passierte. Zum Glück bemerkte ich den Irrtum sofort und lief wieder zurück. Dadurch verlor ich weitere Sekunden, was mich im Schlussklassement einige Ränge kostete. Ich war allerdings heilfroh, dass ich am Ende nicht disqualifiziert wurde. Das Resultat zeigte, dass ich auch im Sprint noch um einiges schneller werden muss, um mit den Besten mithalten zu können.

     

   

Nach diesem kräfteraubenden Wettkampfblock trainierte das Schweizer Team eine weitere Woche in den lettischen Wäldern. Auch wenn wir alle schon ein wenig vorbelastet waren, machte es dennoch Spass, viele Posten im WM-relevanten Gebiet anzulaufen. Ich blicke zurück auf:

• grüne, aber teilweise wunderschöne Wälder

• eine tolle Stimmung im Team

• überraschend sonnige und warme Tage

• Porridge zum Frühstück

• eine schmerzhafte und stark blutende, aber letztlich glimpflich ausgegangene Kopfverletzung nach dem Kontakt mit einem Ast

• ein episches Abschlusstraining an der Küste

Seit dieser Woche ist nun bekannt, dass der Weltcup in Lettland nicht mein letzter internationaler Auftritt in diesem Jahr war. Dank zwei soliden Läufen im Säntisgebiet an der MOM und am 5. Nationalen konnte ich mich erstmals für einen Weltcupfinal in der Schweiz selektionieren. Die Mitteldistanz am 30. September und die Sprintstaffel am 1. Oktober werden live im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt und ich freue mich sehr, dass ich im selben Gebiet im Einsatz stehen werde, in dem ich vor 22 Jahren das Skifahren gelernt habe.

 

 

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